Duesenberg Model J Murphy Roadster

Die von den Gebrüdern Fred und August Duesenberg begründete Automobilmarke mit gleichem Namen genießt in den USA einen Ruf wie Donnerhall. Auf Auktionen oder bei Verkäufen erzielen die wenigen noch erhaltenen Fahrzeuge Höchstpreise und auch bei Schönheitswettbewerben können sie in ihren jeweiligen Klassen überzeugen. Am erfolgreichsten war der Model J, der in den 1930er Jahren das leistungsstärkste, schnellste und technologisch am Weitesten fortgeschrittene Fahrzeug der Welt war. Der hohe Wert führt jedoch heutzutage dazu, dass es nur selten zu Ausfahrten oder Teilnahmen an Oldtimer-Rallyes kommt. Dieses Phänomen kennt man auch von Fahrzeugen wie dem Porsche 356 Speedster, der Shelby Cobra oder dem Mercedes-Benz 300 SL. Aus diesem Grund ließen sich in den vergangenen Jahren mehr und mehr Besitzer von originalen Model J möglichst authentische Repliken mit modernerer Technik anfertigen, die sich besser instandhalten lässt. Optisch fällt es vielen Autofans nicht leicht, diese Repliken von den Originalen zu unterscheiden.

Allerdings gibt es entsprechende Angebote nicht für alle automobilen Ikonen und speziell amerikanische Fahrzeuge sind selten zu finden. Was also tun, wenn man seinen unbezahlbaren Duesenberg schonen, gleichzeitig aber die unvergleichlichen Formen vorzeigen möchte? In den frühen 2000er Jahren wagte sich ein Team unter Leitung eines Duesenberg-Besitzers an dieses Unterfangen, wobei es vor allem darum ging, die schiere Größe und die richtigen Proportionen korrekt zu treffen. Als optische Inspiration hatte er sich den Model J Disappearing Top Roadster vom Karosseriebauer Murphy ausgesucht. Gleichzeitig sollte das Auto alltagstauglich und robust sein. Um dieses Ziel zu erreichen, tat er sich mit dem erfahrenen Designer und Prototypenbauer Steve Pasteiner von Advanced Automotive Technologies (AAT) in Michigan zusammen. Pasteiner hatte zuvor 22 Jahre bei General Motors gearbeitet, wo er bei Chevrolet und Buick Vize-Designchef war. Mit AAT hatte er bereits zuvor zahlreiche Prototypen für diverse Hersteller aus Detroit aufgebaut.

Um eine glaubwürdige Replika des Duesenberg Model J zu erschaffen, brauchte es zuerst eine geeignete Plattform. Diese fand man nach einiger Suche beim Ford E350 Van, einem Nutzfahrzeug der Ein-Tonnen-Klasse. Dessen Chassis war nicht nur stabil genug, sondern bot mit der sogenannten ‚Twin-I-Beam‘-Vorderachse bereits eine gute optische Nachbildung der klassischen Starrachse des Model J. Seitlich verringerte AAT die Rahmenbreite und am Heck ersetzte eine Eigenkonstruktion die originalen Komponenten, wobei die originale Ford-Hinterachse an vier selbst erstellten Querlenkern und einer Luftfederung integriert wurde. Beim Triebwerk behielt man ebenfalls die Technik des Ford E350 bei, der zum Zeitpunkt des Umbaus mit einem gewaltigen V10-Motor namens Triton vom Band lief. Mehr als 300 PS und 570 Newtonmeter Drehmoment sorgen für einen mehr als adäquaten Vortrieb. Allerdings verlagerte man Triebwerk und Getriebe um mehr als 30 Zentimeter nach hinten.

Auf dieser Basis entstand anschließend die einmalige Karosserie. Hierfür erstellte AAT passende Teile aus Stahl und glasfaserverstärktem Kunststoff nach Vorbild des realen Murphy Roadster. Das fertig gestellte Fahrzeug erhielt dann eine Lackierung in Silber metallic und Mittelgrau mit einem schmalen roten Streifen an den Stellen, wo die Farben aufeinander treffen. Diese Farben finden sich auch auf den eigens angefertigten Reserveradgehäusen sowie auf dem Deckel der ausklappbaren Rückbank, die nicht ohne Grund bereits vor dem Zweiten Weltkrieg die wenig charmante Bezeichnung ‚Schwiegermuttersitz‘ erhielt. Auch wenn die Größenverhältnisse im Vergleich zum Vorbild sehr gut passen, erhielt der Wagen auch außen ein paar moderne Elemente wie zum Beispiel die 20 Zoll großen Räder, von denen jedes aus einem vollen Block gefräst wurde. Innen gibt es nicht nur rote Ledersitze, graue Teppiche und ein Armaturenbrett in Wagenfarbe, sondern neben den klassischen Rundinstrumenten auch eine Digitalanzeige für die Funktionen des Luftfahrwerks, ein modernes Audiosystem und eine Klimaanlage. Die Fenster öffnen und schließen auf Knopfdruck. Über den Köpfen der vorderen Passagiere kann ein Hardtop montiert werden. Nach rund 13 Jahren, in denen der Erbauer dieses Fahrzeug genossen hat, steht es nun bei Hyman Ltd. zu einem Preis von 349.500 US$ zum Verkauf.

Bilder: Hyman Ltd.