DKW F89 Schnellaster

Wenn man den Namen ‚Auto Union‘ hört, denkt man automatisch an die 12- oder sogar 16-zylindrigen Grand-Prix-Rennwagen der 1930er Jahre. Eventuell auch an die schönen 1000 SP Coupés und Cabrios der 60er. Doch was war das erste Fahrzeug von Auto Union nach dem Zweiten Weltkrieg? Nicht etwa irgendwas Hübsches oder Schnelles, sondern etwas Praktisches: Der DKW F89 Schnellaster (je nach Quelle auch ‚Schnell-Laster‘ geschrieben. Er rollte ab 1949 in einem neuen Werk in Ingolstadt vom Band und erhielt anfangs einen 14,7 kW/20 PS starken Zweitaktermotor mit 688 Kubikzentimetern Hubraum und einem Dreigang-Getriebe. Wie sein Wolfsburger Mitbewerber war auch Schnellaster mit diversen Karosserievarianten und Aufbauten erhältlich. Durch seinen Frontantrieb ermöglichte das flache Chassis sogar mehr Zwecke als der VW mit seinem Heckmotorkonzept.

Ab 1952 gab es einen auf 16,2 kW/22 PS leistungsgesteigerten Motor in Kombination mit einem Viergang-Getriebe. Weitere zwei Jahre später erhielt der Schnellaster ein 792 Kubikzentimeter großes Triebwerk mit 22 kW/30 PS und ab 1956 schließlich einen 896 Kubikzentimeter-Dreizylindermotor mit 23,5 kW/32 PS aus der Limousine 3=6. Diese mathematisch merkwürdig anmutende Gleichung bedeutete nach DKW-Verständnis: „Drei Kraftimpulse pro Kurbelwellen-Umdrehung, genau wie beim Sechszylinder-Viertakter“ (O-Ton aus damaligen Werbeunterlagen). Neben den Varianten mit Zweitakter entstanden bereits damals rund 100 Exemplare eines ‚Elektrowagen‘. Zudem fertigten Werke in Spanien und Finnland einige Fahrzeuge, wobei das spanische Werk nach dem Verkauf der Auto Union von Mercedes-Benz an den Volkswagen-Konzern bei Daimler blieb und heute Nutzfahrzeuge wie den Vito fertigt.

Bei Classic Car Auctions in Großbritannien steht aktuell ein Schnellaster aus dem Baujahr 1956 zur Versteigerung an. Es handelt sich um ein seltenes Exemplar mit Rechtslenkung, das damals in Südrhodesien erstausgeliefert wurde. Falls Ihnen diese Länderbezeichnung unbekannt vorkommt: Es handelt sich um eine ehemalige britische Kronkolonie im südlichen Afrika, die 1965 als Republik Rhodesien den Weg in die Unabhängigkeit suchte und 1980 schließlich zur Republik Simbabwe wurde. Der Schnellaster gelangte später nach Südafrika und schließlich 2016 nach Großbritannien.

Am 2. Juni wird dieser DKW F89 Schnellaster gemeinsam mit rund 160 weiteren Automobilen im britischen Leamington Spa im Warwickshire Event Centre versteigert. Dabei erwartet Classic Car Auctions einen Zuschlagspreis im Bereich zwischen 12.000,- und 15.000,- GBP zuzüglich Aufgeld.

Bilder: Classic Car Auctions