Charles de Gaulle und die Citroën DS

Im Oktober 1965 debütierte auf dem Pariser Autosalon die heute legendäre Citroën DS. Von Anfang an schrieb dieses Fahrzeug Geschichte. Innovative Konstruktionsmerkmale wie die hydropneumatische Federung oder die später eingeführten, mitlenkenden Fernscheinwerfer ließen die DS wie aus einer anderen Zeit wirken. Bis zum Produktionsende 1975 rollten 1.456.115 Exemplare aller Varianten von ID und DS vom Band. Neben der Schräghecklimousine gab es ab Werk auch Kombis sowie vom Karosseriebauer Chapron erstellte Coupés und Cabriolets. Hinzu kamen speziell umgebaute Lieferwagen und Sonderlimousinen, die beispielsweise für die französische Regierung gebaut wurden.

Vorgeschichte von Charles de Gaulle

Um genau diese Fahrzeuge und ihre Geschichte soll es an dieser Stelle gehen. Vier Jahre nach der Premiere der Citroën DS erhielt Frankreich einen neuen Präsidenten. Im Zweiten Weltkrieg hatte General Charles de Gaulle den Widerstand gegen die deutschen Besatzer angeführt. Sein Appell an die Bevölkerung, der am 18. Juni 1940 über den britischen Radiosender BBC ausgestrahlt wurde, verschaffte ihm große Bekanntheit. 1945 wurde er der Präsident der provisorischen Regierung. Nach Meinungsverschiedenheiten mit sozialdemokratischen und kommunistischen Politikern sowie seiner erklärten Missbilligung zur Verfassung der Vierten Republik trat er jedoch nach nur drei Monaten wieder zurück.

Im November 1958 erhielt er bei den Präsidentschaftswahlen die Stimmenmehrheit und kehrte im Januar 1959 ins Präsidentenamt zurück. Neben der Einführung einer neuen Währung und diverser weiterer Reformen, die bis heute Auswirkungen auf die französische Politik haben, erneuerte de Gaulle auch den Regierungsfuhrpark. Besonders begeistert und imponiert war er von der Citroën DS. Von diesem Fahrzeug ließ er daher eine große Anzahl in schwarzem Lack bei einem befreundeten Händler beschaffen. Folgerichtig tauchte die Limousine ab diesem Zeitpunkt nicht nur bei öffentlichen Auftritten des Präsidenten, sondern auch bei Ministerterminen sowie Fahrten von Abgeordneten und Bürgermeistern auf.

Lebensretterin Citroën DS

Obwohl Citroën für Fabrikanten und Politiker die DS Prestige mit einer Trennwand zwischen Cockpit und Fond anbot, entschied sich de Gaulle für sein persönliches Fahrzeug bewusst gegen diese Variante. Seinen Chauffeur sah er stets als Freund und Vertrauten an, mit dem er sich auch unterwegs unterhalten wollte. Letztlich verdankte er seinem Fahrer ebenso wie der DS sein Leben. Nachdem es 1961 einen ersten Mordanschlag auf de Gaulle gegeben hatte, folgte am 22. August 1962 das Attentat von Petit-Clamard in der Nähe von Paris. Glücklicherweise übersahen die Attentäter in der Dunkelheit das verabredete Zeichen und beschossen den Citroën daher zu spät. Sie verfehlten den Präsidenten und seine Frau trotzdem nur um wenige Zentimeter. Das Auto blieb trotz zwei zerschossenen Reifen fahrtüchtig und brachte alle Insassen aus der Schusslinie.

Trotz der anfänglichen Ablehnung von de Gaulle gegenüber gepanzerten Fahrzeugen sorgte dieser Zwischenfall dafür, dass er der Anschaffung einer speziell angefertigten Präsidenten-Limousine zustimmte. Dieses Auto entstand bei Chapron mit eigenständigem Design von Robert Opron auf Basis einer DS 21. Präsident de Gaulle und seine Frau begutachteten eigens die Holz-Maquette (das maßstabsgerechte Modell) in der Werkstatt von Chapron in Levallois. Sowohl die Karosserie als auch die gepanzerte Trennwand innen des ‚Présidentielle‘ missfielen ihm anfänglich. Allerdings sah er die Notwendigkeit schließlich ein und lobte vor allem die komfortablen Sitze. Dieser Wagen wurde jedoch erst in der zweiten Jahreshälfte 1965 fertiggestellt, die Auslieferung fand sogar erst 1968 statt. Es erhielt das Kennzeichen 1-PR-75.

Selten in der Öffentlichkeit

Zu den in diesem Fahrzeug verbauten Extras im Vergleich zum normalen DS gehörten eine besondere Motorkühlung und eine verbesserte Klimaanlage. Dies war nötig, um auch bei geringen Geschwindigkeiten bei Paraden zu gewährleisten, dass der Wagen problemlos funktionierte. Um mit dem Feldassistenten auf dem Beifahrersitz kommunizieren zu können, war ein Briefschlitz in der Trennwand integriert. General de Gaulle benutzte diese Limousine lediglich dreimal bei offiziellen Anlässen und bevorzugte weiterhin seine normale DS 21 Pallas. Auch als er 1969 zurücktrat und Georges Pompidou neuer Präsident wurde, gab es keine weiteren Auftritte der DS Présidentielle. Dies lag jedoch daran, dass sich inzwischen die Mode geändert hatte und damit die Karosserieform selbst gegenüber der normalen DS als altbacken wirkte. Stattdessen entstanden bei Chapron zwei viertürige Cabriolets des Citroën SM, die heute noch zum Élysée-Fuhrpark gehören.

Bilder: DS Automobiles