Cadillac Eldorado Biarritz

Das Zeitalter der amerikanischen Straßenkreuzer wird von kaum einem anderen Auto so sehr symbolisiert, wie vom 1959er Cadillac Eldorado Biarritz. Es war eine Zeit des Überflusses, die zudem vom aufkommenden Weltraumprogramm der USA geprägt wurde. An den Autos wuchsen die Chromverzierungen und die Heckflossen in ungeahntem Maße. Bei diesem Spiel halfen die US-Hersteller kräftig mit, indem es jedes Jahr Facelifts oder gleich ein neues Modell gab. Den Eldorado hatte Cadillac erstmalig 1953 als luxuriöseste Version des Series 62 vorgestellt. Bereits im Folgejahr rollte die zweite Modellgeneration zu den Händlern, die bis 1956 entstand. 1957 und 1958 gab es Generation Nummer drei, von der auch die extrem luxuriöse und teure Limousine Eldorado Brougham erstmals abgeleitet wurde. Mit dem 1959er Eldorado setzte man dem Straßenkreuzertrend schließlich ein Gipfelkreuz auf. Außerdem galt das Modell nun als eigenständige Baureihe, obwohl es sich weiterhin die Karosserie mit dem nun Series 6200 genannten Basismodell teilte. Wie bei den Vorgängermodellen gab es die luxuriöse Limousine Eldorado Brougham, den Eldorado Biarritz als viersitziges Cabriolet und den Eldorado Seville als Coupé. Bereits im Folgejahr setzte langsam ein Trend zum schlichten Design ein, da auch die Kunden bodenständigere Autos wünschten.

Ein Blick auf den ‚König der Heckflossen‘ lohnt sich trotzdem, selbst wenn man eventuell mit diesen riesigen Autos nichts anfangen kann. Mehr mit Blech umbauten, fahrbaren Raum erhält man allenfalls bei Nutzfahrzeugen. Allein der Radstand von 3,3 Metern reicht modernen Kleinwagen als Gesamtlänge aus. Beim Cadillac geht es damit jedoch erst so richtig los. Das Maßband stoppt in der Länge erst bei 5.715 Millimetern. In der Breite sind es 2.037 Millimeter. Mitteleuropäische Normgaragen und Standardparklücken kommen damit also nicht nur an ihre Grenzen, diese sind bereits gesprengt. 11,64 Quadratmeter Fläche reichen indes manchem Studenten als Wohnraum aus. Beim Cadillac verbergen sie vier bis sechs Sitzplätze, je nachdem ob man die durchgehenden Sitzbänke voll auslastet oder nicht. Vor der Windschutzscheibe beginnt eine vom Fahrerplatz aus schier endlos wirkende Motorhaube, die Zugang zum 6,4 Liter großen V8-Triebwerk zulässt. Dieses leistete 257 kW/349 PS, die über ein Viergang-Hydra-Matic-Automatikgetriebe auf die Hinterräder gelangten. Am Heck zwischen den Flossen integrierten die Designer Harley Earl und William Mitchell einen großen Kofferraum.

Im Vergleich zum Series 62 erhielt der Eldorado stets die bessere Ausstattung. Servolenkung, Servo-unterstützte Bremsen, Rückfahrscheinwerfer, Scheibenwischer mit zwei Geschwindigkeiten, elektrische Fensterheber, Nebelscheinwerfer und sechsfach elektrisch verstellbare Vordersitze gehörten bereits beim Series 6200 zur Serienausstattung. Der Eldorado Biarritz erhielt zusätzlich nochmals größere Chrom-Verzierungen, eine Klimaanlage sowie ein sogenanntes ‚Magic Eye‘. Diese Technologie ermöglichte das automatische Abblenden des Fernlichts, sobald Licht vom Gegenverkehr erkannt wurde. Da diese Details nur wenigen Betrachtern bekannt sind, halten heutzutage viele Betrachter den viel häufiger gebauten Series 6200 oft für den 1959 nur rund 1.320-mal gebauten Eldorado Biarritz.

RM Sotheby’s bietet im Rahmen der Versteigerung der ‚The Elkhart Collection‘ am 23. Oktober ein restauriertes Exemplar an. Farblich entschied sich der Vorbesitzer dabei für ‚Hampton Green‘, ein Grün metallic, das ausschließlich für den Eldorado angeboten wurde und auch ab Werk dieses Fahrzeug schmückte. Passend dazu verbaute man grüne Lederpolster und ein weißes Vinylverdeck. Dieses faltet sich auf Knopfdruck unter dem optionalen, dreiteiligen ‚Parade Boot‘ aus Glasfaser-verstärktem Kunststoff zusammen. Auch die grün getönten Scheiben waren 1959 eine Sonderausstattung, die für dieses Auto gewählt wurden. Im Zuge der Restaurierung erhielt der Eldorado ein haltbareres Luftfahrwerk im Vergleich zum Seriensystem. Dieses liegt dem Fahrzeug jedoch ebenso bei, wie die originale Betriebsanleitung. Bei der Versteigerung erwartet RM Sotheby’s einen Zuschlagspreis im Bereich zwischen 225.000 und 275.000 US$.

Bilder: RM Sotheby’s,