BRM P15 V16 Continuation

Zum 70-jährigen Jubiläum des britischen Formel-1-Rennteams BRM entstehen drei originalgetreue Continuation Cars des P15 von 1950. Dieser Monoposto-Rennwagen begründete den Ruf von British Racing Motors (BRM). Er gilt bis heute als einer der am besten klingenden F1-Wagen aller Zeiten. Der Grund hierfür befindet sich unter der vorderen Abdeckung. Direkt vor den Füßen des Fahrers sitzt ein Triebwerk, das kurz nach dem Zweiten Weltkrieg eigens für die Formel-1-Regularien entwickelt wurde. Diese sahen maximal 1,5 Liter Hubraum und eine Aufladung mittels Kompressor vor. Die Idee zu diesem Triebwerk entstand in den Köpfen von Raymond Mays und Peter Berthon bereits während des Krieges. Sie planten einen 1,5 Liter großen V16 mit einem Zylinderbankwinkel von 135 Grad.

Hochdrehzahlkonzept schon 1950

Durch die besonders kleinen Zylinder mit relativ geringem Hub bot sich dieser Motor als Hochdrehzahlmaschine an. Man erwartete rund 12.000 Umdrehungen pro Minute und dabei eine Leistungsausbeute von rund 500 bis 600 PS. Nochmal zur Erinnerung: Wir reden immer noch über 1950, nicht über 1990! Allerdings stand der Großteil dieser Kraft nur im oberen Drehzahlbereich bereit, da dann der Doppel-Zentrifugal-Kompressor vom Rolls-Royce Merlin-Flugzeugmotor erst richtig in Fahrt kam. Für das Chassis konnte Mays Einblick in diverse Unterlagen von Mercedes-Benz und der Auto Union nehmen, die als Reparationsleistungen ihren Weg nach Großbritannien gefunden hatten. So glich die Vorderradaufhängung jener des Auto Union Typ D und die Hinterachse war von einigen Mercedes-Rennfahrzeugen der Vorkriegszeit inspiriert. Allerdings war das Zusammenspiel der Komponenten unausgewogen, was jedoch auf diverse Rennwagen dieser Zeit zutraf.

Obwohl BRM eigentlich bereits in der Formel-1-Debütsaison 1950 mit dem P15 antreten wollte, gelang dies aufgrund diverser Entwicklungsrückschritte letztlich nicht. Beim Großen Preis von Großbritannien, dem allerersten Formel-1-Rennen, konnte der Wagen immerhin eine Demorunde drehen. Anschließend gab es große Probleme beim Premierenrennen, der International Trophy in Silverstone, bei der das Auto nach nur wenigen Metern mit gebrochener Antriebswelle ausfiel. Einen Monat später in Goodwood gelangen durch nasse und kalte Außenbedingungen Siege im Woodcote Cup und der Formula One Goodwood Trophy. Schließlich standen zwei P15 auf den Startplätzen vier und fünf beim Grand Prix von Spanien 1950, fielen jedoch jeweils durch technische Defekte im Rennen aus.

Nur zwei Jahre in der Formel 1

Für 1951 entstanden zwei neue P15 mit besseren Bremsen, neuer Lenkung, anderen Tanks und weiteren Detailverbesserungen. Eine davon war die Verlegung der Auspuffrohre in die Karosserie, was beim fünften Rennen der F1-Saison in Silverstone, dem Ersteinsatz der Neukonstruktion, zu viel zu hohen Temperaturen im Cockpit führte. Trotz diverser Verbrennungen und mehreren Runden Rückstand erreichte Reg Parnell den fünften und Peter Walker den siebten Rang am Ende des Rennens. In Monza sollte Ken Richardson einen BRM fahren, wurde jedoch aufgrund mangelnder Erfahrung von den Rennorganisatoren ausgeschlossen. Dadurch wäre beinahe der inzwischen 50-jährige Hans Stuck senior noch einmal zu Rennehren gekommen. Doch nach einigen Runden im Training zerlegte man in den Boxen die Getriebe, stellte fest, dass sie irreparabel beschädigt waren und zog beide Autos vom Grand Prix zurück. Für 1952 wechselte die FIA auf die Regularien der kleineren Formel 2 und sorgte damit dafür, dass der BRM P15 nicht weiter in der Formel 1 eingesetzt werden konnte. Es folgten bis 1953 diverse Clubsport-Rennen, größtenteils in Großbritannien.

Drei komplett neue P15

Von den vier gebauten BRM P15 existieren heute nur noch zweieinhalb. Der Halbe deshalb, weil nach einem Unfall aus den Chassisteilen ein neuer BRM P30 entstand. Nun entsteht beim Rennwagenspezialisten Hall & Hall eine Contiuation Serie des P15. Diese wurde von der Familie Owen genehmigt. Sir Alfred Owen war einer der Hauptgeldgeber hinter dem originalen P15. Dafür wurde er Teamchef bei BRM und errang mit seiner Mannschaft 1962 den Weltmeisterschaftstitel. Sein Sohn John Owen ist inzwischen 81 Jahre alt. Er wünschte sich schon seit langem, noch einmal die 12.000 Umdrehungen pro Minute zu hören, die der V16-Motor drehen konnte. Allerdings ist der letzte verbliebene P15 in der originalen Version von 1950 heute ein unbewegliches und wertvolles Ausstellungsstück in einem Museum. Hall & Hall nutzt nun rund 20.000 originale Zeichnungen, um drei neue P15 so originalgetreu wie möglich entstehen zu lassen. Sie erhalten Fahrgestellnummern, die BRM für weitere Exemplare vorgesehen, jedoch nach den Regeländerungen 1952 nicht mehr genutzt hatte. Während das erste Exemplar an John Owen geht, sind die beiden anderen auf Anfrage noch zu haben. Die Fertigstellung der Autos ist für Anfang 2021 vorgesehen.

Bilder: British Racing Motors