Bremen Classic Motorshow 2020

Mit der diesjährigen Ausgabe der Bremen Classic Motorshow starteten die Old- und Youngtimerfans Norddeutschlands am vergangenen Wochenende in die Saison 2020. Die Messehallen in der Hansestadt an der Weser waren wie gewohnt gut gefüllt. Was die Zahl der Aussteller angeht, sogar so gut wie nie, denn mit 738 hat sich ihre Zahl gegenüber dem Vorjahr deutlich erhöht. Das gleiche gilt auch für die Zahl der Besucher, die mit 45,582 ebenfalls um rund zehn Prozent auf den bisher höchsten Wert in der Geschichte der Messe gestiegen ist. Im Vergleich zu den großen Neuwagenshows wie Frankfurt oder Genf ist Bremen also trotz eines immer rauer werdenden Klimas für das Automobil auf einem sehr guten Weg.

Unser Rundgang durch die Messehallen am Freitag zeigte auch, warum. Das Konzept der Messe mit einer vielseitigen Mischung aus liebevoll gestalteten Clubständen, einer Vielzahl von Händlern für Fahrzeuge, Teile oder mobile Accessoires und den traditionellen Sonderschauen bietet für jeden Automobilisten etwas. Hier kommen Kaufinteressenten ebenso wie mitten in der Restauration steckende Teilejäger oder einfache Sehleute voll auf ihre Kosten.

Herausragend war in diesem Jahr die Sonderschau unter dem Motto ‚Rivalen‘. Dabei standen sich Konkurrenten aus vergangenen Zeiten gegenüber. Es war beeindruckend, welch hochwertige und interessante Exponate die Organisatoren der Messe nach Bremen bringen konnten. So standen sich der Ferrari 365 GTB/4 ‚Daytona‘ und der Lamborghini Miura P400 S ebenso gegenüber, wie ein Porsche 959 in einer extrem seltenen Rotmetalliclackierung, der einen Ferrari F40 in traditionellem Rosso Corsa vis-a-vis fand. Nicht ganz so italienisch orientierte Besucher konnten den 300 SL Roadster von Mercedes-Benz zusammen mit dem von Albrecht Graf Goertz traumhaft gezeichneten BMW 507 bewundern. Doch nicht nur die Supercars vergangener Tage standen in der Sonderschau, man konnte auch in Erinnerungen an die eigenen automobilen Anfänge schwelgen und Alltagsklassiker wie VW Käfer und DKW F12 oder Ford 17m und Opel Rekord bewundern. Wer Ende der 1960er Jahre von springenden Pferden oder wilden Stieren träumte, die finanziell weit außer Reichweite waren, tat das oftmals am Lenkrad eines jungen Wilden wie dem Ford Capri oder Opel Manta. In Bremen konnten diese Träume ebenso fortgesetzt werden wie die der Generation 10 Jahre später. Nur befanden sich die Träumer jetzt im VW Golf GTI der ersten Generation oder im Opel Kadett GT/E.

Der weitere Messerundgang ließ die Blicke über ein vielseitiges Angebot der verschiedenen Händler schweifen. Vom Lloyd Kombi im Zustand Scheunenfund bis hin zum Entwicklungsprototyp des Porsche 959 war alles vorhanden. Auffallend war dabei, dass die Dominanz der Marke Porsche weitaus geringer als in der vergangenen Jahren ausfiel, während die Sterne aus Stuttgart immer noch sehr zahlreich angeboten wurden. Unter den angebotenen Klassikern konnte der Besucher auch eine beträchtliche Anzahl von Exoten unterschiedlichster Prägung bewundern oder teilweise eben auch mit einem Naserümpfen bedenken. Haben Sie schon einmal einen Zimmer Golden Spirit gesehen, liebe Leser? Oder eine Isetta von BMW mit nur einem Hinterrad, die ein dänischer Händler mit an die Weser gebracht hatte? Überhaupt scheint die Bremen Classic Motorshow immer mehr auch für Händler aus dem Ausland im Fokus zu stehen. Neben Dänen und Schweden waren auch einige Verkäufer aus den Niederlanden vertreten.

Bei der Präsentation von Youngtimern mit geringer Laufleistung fielen die Blicke der Messebesucher meist zuerst auf ein bei vielen Betrachtern unbekanntes Fahrzeug. Das Logo an der Front verriet noch den Hersteller, es war eindeutig ein Volkswagen, aber was für ein Modell? Hatte die Front noch eine gewisse Ähnlichkeit mit dem 412, dem Nasenbär vom Beginn der 70er Jahre, erschien der Rest doch völlig unbekannt. Ein Blick auf das neben dem Wagen stehende Schild sorgte für Aufklärung. Es handelte sich um einen VW Brasilia, der mit seinem Namen auch die Herkunft preisgab. Dazu wurden ein seltener, früher Maserati Biturbo, ein Peugeot 304 Kombi oder ein Ford Gran Torino – Starsky & Hutch lassen grüßen – offeriert.

Ein Anziehungspunkte der Messe ist in jedem Jahr das Messeparkhaus, das als Verkaufsbörse für zumeist private Anbieter dient. Und auch hier lohnte sich der Rundgang, denn das Angebot war extrem vielseitig zu meist sehr angemessenen Preisen. Viele Fahrzeuge präsentierten sich darüber hinaus in sehr gutem Zustand. Hier fand sich auch ein Apal Corsa Coupé, ein dem Autor dieser Zeilen bis dato völlig unbekanntes Fahrzeug des belgischen Herstellers, der eigentlich für seine Buggies oder Repliken des Porsche 356 Speedsters bekannt ist.

Die Bremen Classic Motorschow war auch in diesem Jahr das erste Highlight der Saison. In unserer Fotogalerie können Sie die Eindrücke aus Bremen genießen. Fast könnte man sich jetzt schon auf die Ausgabe 2021 freuen, die vom 5.-7. Februar stattfindet, läge nicht noch die ganze Saison 2020 vor uns.

Bilder: Hella Andresen, Carsten Tholen und Kay Andresen