Bremen Classic Motorshow 2019

Wie an jedem Jahresanfang am ersten Wochenende im Februar öffneten sich auch am vergangenen Freitag die Tore der Messe Bremen zur diesjährigen Ausgabe der Bremen Classic Motorshow. Für viele Oldtimerfans in Norddeutschland ist sie der Start in die neue Saison, entsprechend gut besucht war sie auch 2019, mit einem erneuten Zuwachs an Besuchern im Vergleich zum Vorjahr. In den Hallen präsentierte sich wie in Bremen gewohnt eine interessante Vielfalt zum Thema klassische Automobile, Teile und Motorräder sowie reichlich Interessantes.

Es ist bewundernswert, mit welcher Hingabe die Organisatoren in jedem Jahr eine Sonderschau zu einem bestimmten Thema während der Bremen Classic Motorshow präsentieren. In diesem Jahr hieß das Thema „Kombi-Nationen“ und zeigte seltene Kombimodelle der letzten Jahrzehnte. Neben einigen in Serie oder zumindest Kleinserie gebauten Fahrzeugen, wie beispielsweise den Kombiversionen der amerikanischen Klassiker Buick Eight und Plymouth Fury, dem Aston Martin DB5 Shooting Brake oder auch dem damals noch extern umgebauten Kombi der Mercedes Heckflosse, ergänzten Kleinwagen wie die Fiat 500 Giardinera und der Mini Clubman die Ausstellung. Zwei Exponate stachen jedoch aus der Sonderschau hervor, von denen die meisten Besucher wahrscheinlich vorher noch nicht einmal gehört hatten. Auf der einen Seite ein Fiat 130 Familiare, den sich Fiats Chef Giovanni Agnelli auf der Basis des damaligen Spitzenmodells der Marke anfertigen ließ, um damit in den Winterurlaub nach St. Moritz zu fahren. Das Design stammte aus dem Fiat Centro Stile, also der hauseigenen Designabteilung, während der Umbau von der Karosseriebaufirma Officine Introzzi in Lipomo am Comer See in Handarbeit durchgeführt wurde. Insgesamt sollen vier Exemplare des seltenen Kombis entstanden sein. Das ausgestellte Exemplar erhielt ursprünglich Dr. Umberto Agnelli, Giovannis Bruder. Es ist heute Bestandteil der FCA Heritage und wurde von dieser Klassikerabteilung des Konzerns zur Verfügung gestellt.

Das zweite Exponat, bei dem selbst ausgewiesene Automobilfans und -fachleute eine ganze Reihe von Fragezeichen im Gesicht hatten, war der Volvo 1800 Rocket. Von vorn betrachtet eine ganz normale Ausgabe des schwedischen Sportwagens, doch spätestens ab dem Ende der Türen wird es skurril. Ähnlich der seitlichen Sicke des 1800 steigt die Gürtellinie des Sportkombis im Bereich des hinteren Seitenfensters an und endet in einem fast senkrechten Heckabschluss, der in der Formgebung absolut konträr zu der restlichen Linie des Fahrzeugs wirkt. Wie kam es zur Entwicklung dieses, vorsichtig ausgedrückt, außergewöhnlichen Fahrzeugs? Ende der 1960er Jahre war man bei Volvo mit der Entwicklung eines Nachfolgers des Sportcoupés 1800 S beschäftigt, in dessen Lastheft eine Vergrößerung des Stauraums für Gepäck und/oder Sportausrüstungen ganz oben stand. Es entstanden zwei Designstudien in der Volvo Designabteilung, das Beach Car, aus dem der spätere 1800 ES ‚Schneewittchensarg‘ entsteht, und der Jaktvagn (schwedisch für Jagdwagen) der als Rocket bezeichnet in Bremen präsentiert wurde. Wenn man das Design der beiden vergleicht, ist die Wahl des 1800 ES als Serienvariante durchaus nachvollziehbar.

Interessant auch in diesem Jahr die Schau der Old- und Youngtimer mit auffallend geringer Laufleistung. Als Spitzenreiter 2019 tat sich ein originaler Trabant 601 hervor, der mit nicht einmal 1.000 Kilometern auf dem Tacho nach 29 Jahren in Schweden nun wieder nach Deutschland zurückgekehrt ist – mit Produktionsdatum Juli 1990 übrigens eines der allerletzten Zweitaktmodelle des sächsischen Kleinwagens. Sowohl leistungs- wie auch laufleistungsmäßig bildete ein Alpina B10 Touring, der mit rund 89.000 Kilometern schon ein bewegtes Leben hinter sich hat, das andere Ende des Angebots dieser Sonderschau. Trotzdem war dieses Auto bereits nach wenigen Stunden am ersten Messetag verkauft.

Eine breite Vielfalt der unterschiedlichsten Klassiker konnten die Messebesucher bei den Händlern bewundern und natürlich auch erwerben. Von Kleinwagen wie dem Fiat Toppolino Kombi bis zu Sportwagen wie Lamborghini Urraco oder Maserati Merak war fast alles dabei. Einige schöne Angebote finden Sie in unserer Fotogalerie. Dabei bestätigte sich der Trend der vergangenen Jahre, denn bis auf einige wenige, immer noch preisstabile Fahrzeuge, wie beispielsweise die Mercedes-Benz SL-Modelle der 107er Baureihe, bewegen sich die Preise weiterhin nach unten. Das gilt sowohl für Händler wie auch für die privaten Anbieter. Trotzdem erschien es zumindest am ersten Messetag so, dass die Kauflust der Besucher eine ebenso fallende Tendenz aufweisen würde, denn ‚verkauft‘-Markierungen an den angebotenen Fahrzeugen waren bis auf wenige Ausnahmen kaum zu entdecken.

Nicht fehlen dürfen auf der Bremen Classic Motorshow die Stände der Markenclubs und IGs, die sich auch in diesem Jahr wieder durch besonders ideenreiche und liebevoll gestaltete Darbietungen ausgezeichnet haben. Die des Spridget Registers, also der IG der Austin Healey Sprite und der MG Midget, tat sich besonders hervor. Etwas verwundert blickten die Besucher auf die aufgebaute Szene, die einen Healey mit einem Grenzschlagbaum darstellte. DDR-Flaggen und eine Puppe in Grenzsoldatenuniform ließen keinen Zweifel aufkommen, um welche Grenze es sich handeln sollte. Die Aufklärung des Rätsels lieferten Kopien von Zeitungsberichten aus dem September 1964. Mit Hilfe des kleinen englischen Sportwagens schmuggelte ein Westdeutscher seine Freundin aus der DDR über die tschechisch-österreichische Grenze bei Bratislava in die Freiheit. Und zwar deshalb, weil der Healey so flach war, dass er ohne Frontscheibe mit Vollgas unter dem Schlagbaum durchfahren konnte. Anlässlich der goldenen Hochzeit des Fluchtpaares wurde diese Szene auf der Messe nachgestellt.

Nicht ganz so dramatisch, aber interessant und vielseitig präsentierte sich das Angebot der meist privaten Verkäufer, das wie gewohnt im Messeparkhaus zu entdecken war. Neben den dominant vorhandenen Modellen mit dem Stern gab es Raritäten wie einen Volkswagen Golf II Country, einen Maserati Biturbo Spyder oder auch einen wunderschönen Bentley S3, aber auch Alltagsklassiker wie einen Peugeot 504 Diesel Familiale, der bei Startversuchen aus seinem Verbrennungsprinzip keinen Hehl machte. Auch ein Mercedes-Benz G 36 AMG mit kurzem Radstand war im Angebot, so dass sich ein Bummel durch das Parkhaus trotz der Temperaturen um null Grad auch für Seh-Leute gelohnt hat. Die interessantesten Angebote finden Sie ebenfalls in unserer Fotogalerie.

Fazit: Der Besuch der Bremen Classic Motorshow war 2019 wie immer ein Pflichttermin für Leute mit ein wenig Benzin im Blut, egal ob zum Kaufen, zum Schauen oder um Bekannte mit gleicher Leidenschaft zu treffen. Die Oldtimersaison kann beginnen. Übrigens, die Bremen Classic Motorshow 2020 findet vom 31.1. bis 2.2. statt. Wir freuen uns jetzt schon auf ein Wiedersehen in der Hansestadt an der Weser.

Bilder: Carsten Tholen, Hella Andresen, Kay Andresen