Barbara Skinner in Le Mans 1935

Die britische Familie Skinner sollte eigentlich vielen Oldtimerfans bekannt sein. Allerdings kennt man oftmals hauptsächlich ein bestimmtes Produkt, das von der Firma Skinners Union millionenfach hergestellt wurde. Welches das ist? Kürzen Sie den Firmennamen ab und denken Sie an Vergaser. Die Firmengründer George Herbert ‚Bert‘ Skinner und Thomas Carlyle ‚Carl‘ Skinner experimentierten bereits in den frühen 1900er Jahren mit der Kraftstoffaufbereitung für Autos herum und entwickelten 1904 ihren ersten Vergaser. Nachdem einige befreundete Autofahrer auf ihr System aufmerksam geworden waren und ebenfalls passende Teile haben wollten, entschieden sie sich 1910 zur Gründung der Skinners Union (SU).

Carl Skinner hatte zwei Kinder, Barbara und Peter, die beide große Rennsportfans und später Rennfahrer wurden. Bis kurz vor der Rennpremiere von Barbara Skinner waren Frauen offiziell von der Teilnahme an Rennen ausgeschlossen. Der BARC erließ dieses Verbot bereits in den 1900ern und zog dabei den Vergleich zu den Jockeys im Reitsport, wo es auch keine Frauen gab. 1928 gab man dem wachsenden Druck nach und erlaubte Frauen-Meisterschaften und ab 1932 durften Frauen schließlich in den gleichen Klassen und Kategorien wie die Männer antreten.

Im gleichen Jahr feierte Barbara Skinner ihren 21. Geburtstag, zu dem sie von ihrem Vater einen Morris Cowley Special erhielt. Dieser Wagen mit dem Kennzeichen YF15 diente zuvor in der Vergaserentwicklung bei SU und erhielt schließlich einen Umbau für Renneinsätze, die zuerst einmal Carl Skinner selbst durchführte. Seine Tochter nutzte dieses Auto sowohl im Alltag als auch für ihre ersten Rennen. Ihr Ersteinsatz war beim Shelsley Walsh Bergrennen am 3. September 1932, wo sie direkt den MAC Ladies Cup für die schnellste Zeit erhielt. Sie legte den Aufstieg am Berg in 56,6 Sekunden zurück. Es folgten diverse weitere erfolgreiche Ausflüge auf die Rennstrecke.

Allerdings versetzte sie den Morris am Ende des Jahres in den Ruhestand, da der Wagen nicht mehr konkurrenzfähig war. Stattdessen nutzte Barbara ihn als Zugfahrzeug für ihren neu aufgebauten White Minor, der auf einem Morris-Fahrgestell basierte, das der Skinner-Familie von Lord Nuffield, dem Chef von Morris, als Dauerleihgabe übergeben worden war. In den Papieren, die zusammen mit dem Fahrgestell am Hochzeitstag an Barbara Skinner überreicht wurden, stand: „to be used by Miss B. Skinner for racing“ (zur Benutzung im Motorsport durch Frau B. Skinner). Zwei Jahre nach ihrem Debüt erzielte sie in Shelsley Walsh eine neue Bestzeit, die volle zehn Sekunden (!) schneller war als ihre Zeit von 1932. Diese Zeit von 46,6 Sekunden erreichte sie 1938 mit ihrem Red Skinner Special nochmals, der heute noch im Besitz der SU-Nachfolgefirma Burlen ist.

Neben Bergrennen fuhr sie auch die RAC Rally und Rennen in Brooklands. 1935 kam der Höhepunkt, als sie als Teil eines sechsköpfigen Damenteams von MG zum 24-Stunden-Rennen in Le Mans geschickt wurde. Dort fuhren die Frauen in drei MG PA Midget als ‚Dancing Daughters‘-Werksteam. Barbara Skinner und ihre Kollegin Doreen Evans erreichten nach 153 zurückgelegten Runden den 24. Platz. Sie heiratete schließlich den Rennfahrer und Automobiljournalisten John Bolster und startete bei weiteren Rennen unter ihrem neuen Nachnamen. Tragischerweise endete ihre vielversprechende Karriere 1942, als Barbara Bolster bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam. Speziell bei Burlen, jener Firma, die heute noch SU-Vergaser nach altem Muster anfertigt (aber auch jene von Amal und Zenith), sind die Rennerfolge bis heute unvergessen. Entsprechendes Interesse hatte man nun daran, diese Dame berechtigterweise wieder einmal in die Öffentlichkeit zu bringen.

Bilder: Burlen