85 Jahre Horch 853

Wenn man heutzutage ein repräsentatives Cabriolet der Luxusklasse kaufen möchte, führt der Weg zu Bentley oder Rolls-Royce, eventuell noch zu Mercedes-Benz für das S-Klasse Cabriolet. In den 1930er Jahren stellte sich das Angebot deutlich breiter dar. Neben den genannten Marken gab es entsprechende Angebote auch von Maybach, Delage, Delahaye, Hispano-Suiza oder in den USA von Cadillac, Duesenberg und weiteren. Ein weiterer deutscher Hersteller in diesem illustren Feld war Horch aus Zwickau. Dort rollten Oberklasse-Fahrzeuge mit bestmöglicher Ausstattung vom Band. Auf Basis der 1935 neu präsentierten Limousine 850 präsentierte man zeitgleich das 853 Sport-Cabriolet mit einem um 25 Zentimeter auf 3,5 Meter verkürzten Radstand. Der zugrunde liegende Leiterrahmen mit Kreuztraverse entstand nun aus kastenförmigen Profilrohren und nicht mehr aus offenen U-Profilen wie beim Vorgängermodell. Im Gegensatz zum 850 mit Starrachse hinten kam hier zudem erstmals eine Doppelgelenkhinterachse nach DeDion-Prinzip zum Einsatz.

Unter der langen, zweigeteilten Motorhaube verbarg sich ein fünf Liter großer Reihenachtzylindermotor, der anfänglich 74 kW/100 PS über ein Viergang-Getriebe auf die Hinterräder übertrug. Gegen Aufpreis gab es ein Getriebe mit Overdrive-Funktion, das bei Horch ‚Schnellgang-Getriebe‘ genannt wurde. Dieses erhob man im ab 1938 angebotenen 853 A zur Serienausstattung. Als Höchstgeschwindigkeit gab man 135 km/h an. Dieser Wert blieb auch nach der Leistungssteigerung auf 88 kW/120 PS durch eine neue Nockenwelle im Jahr 1937 bestehen. Für die nötige Verzögerung sorgten rundum hydraulische Trommelbremsen mit einer frühen Form der Servounterstützung.

Bis heute gilt die Formgebung des Horch 853 Sport-Cabriolet als eine der schönsten der 1930er Jahre. Gezeichnet wurde die Karosserie durch Günther Mickwausch aus dem Horch Konstruktionsbüro. Passend zur damaligen Zeit gab er dem Sport-Cabriolet geschwungene, an den Motorbereich angeschmiegte Kotflügel, außen liegende Ersatzräder vor den Türen und ein relativ eng geschnittenes Stoffverdeck mit außen liegendem Spriegel mit auf den Weg. Auf Wunsch gab es zum ersten Mal vier unterschiedliche ‚Fischsilber‘-Farbtöne. Damit meinte man nicht etwa vier verschiedene Silber-Schattierungen, sondern den heutzutage immer noch beliebten Metallic-Lack, wobei damals anstelle von Metallsplittern tatsächlich gemahlene Fischschuppen in die Farbe gerührt wurden. Während viele Sonderkarosserien des Horch 850 und 851 bei externen Karosseriebauern wie Gläser angefertigt wurden, entstanden die 853 Sport-Cabriolets direkt bei Horch.

1938 präsentierte Horch das Sondermodell 855 Spezial-Roadster mit einem auf 3,3 Meter verkürzten Radstand und einem von 2,6 auf 2,4 Tonnen reduzierten Leergewicht. Hierdurch stieg die Höchstgeschwindigkeit auf 140 km/h. Allerdings sorgte der Grundpreis von 22.000 Reichsmark in Verbindung mit dem beginnenden Zweiten Weltkrieg dafür, dass lediglich sieben Exemplare entstanden sind. Nummer 7 gehört heute der Sammlung von Audi Tradition und ist in unserer Bildergalerie auf dem viertletzten Bild zu sehen. Danach folgen drei Bilder eines ganz besonderen 853, der für den damaligen Werksrennfahrer der Auto Union, Bernd Rosemeyer, bei Erdmann & Rossi eine Coupé-Karosserie erhielt. Rosemeyer nannte diesen Sportwagen liebevoll Manuela. Nach seinem Tod bei Rekordfahrten ging der Wagen an einen neuen Besitzer. Durch die Kriegswirren verloren sich die Spuren, wodurch das Original als verschollen gilt. Einen sehenswerten, vorbildsgetreuen Nachbau zeigte Audi bereits mehrfach im hauseigenen Museum in Ingolstadt und bei anderen Veranstaltungen. Laut Schätzungen erhielten zwischen 10 und 15 Prozent der insgesamt 1.024 gebauten 853 und 853 A Sonderkarosserien. Leider sind heute davon nur noch wenige bekannt. Zumeist handelt es sich um Spezial-Roadster-Aufbauten von Erdmann & Rossi.

Bilder: Audi Tradition, Matthias Kierse