75 Jahre Produktionsbeginn des Volkswagen Käfer

Exakt heute vor 75 Jahren, am 27. Dezember 1945, legten einige wenige Mitarbeiter mitten in Deutschland mit der Produktion eines der bekanntesten Autos los. Die Vorgeschichte ist gut bekannt. Entwickelt wurde der ‚Volkswagen‘ als Prestigeprojekt der nationalsozialistischen NSDAP-Regierung, um die deutsche Bevölkerung zu mobilisieren. Diesen nannte man gegen den Willen des Hauptentwicklers Ferdinand Porsche eigenmächtig in ‚KdF-Wagen‘ um, wobei das Kürzel für die Arbeiterorganisation ‚Kraft durch Freude‘ stand. Im Hintergrund hatte man jedoch längst Pläne in den Schubladen, um auf der Heckmotorplattform kriegswichtige Transportmittel zu produzieren. In Fallersleben am Mittellandkanal entstand das damals größte Automobilwerk der Welt, dessen Arbeitersiedlungen die ‚Stadt des KdF-Wagens‘ bildeten. Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich daraus das heutige Wolfsburg.

Produktion blieb in Deutschland

Derweil sollte das Autowerk, in dem während des Krieges neben Kübelwagen, Schwimmwagen und Kommandeurswagen sowie 630 Exemplaren des KdF-Wagens auch Waffen und Munition produziert wurden, demontiert und als Kriegsreparation an die britische Besatzungsmacht gehen. Allerdings lehnten die englischen Automobilhersteller sowohl die Produktionswerkzeuge als auch die Pläne für den Volkswagen dankend ab. Stattdessen sorgte der Wirtschaftsjurist Dr. Hermann Münch bei der britischen Armee dafür, dass die Fertigung im eigentlichen Werk verblieb, um Ärzte, Militärkräfte und andere Organisationen mit dringend benötigten Autos zu versorgen. Hierfür organisierte er auf unterschiedlichen Wegen die Beschaffung von Stahl, Kohle und anderen wichtigen Rohstoffen. Die Briten bestellten am 22. August 1945 eine erste Charge von 20.000 Fahrzeugen. Zuvor ließ sich die Armee aus Restbeständen einige Kübelwagen montieren.

Einige Leser fragen sich an dieser Stelle unter Umständen, warum im Text bisher nichts vom britischen Major Ivan Hurst zu lesen war. In der Vergangenheit galt er oft als der Macher hinter dem Verbleib der Volkswagen-Produktion in Wolfsburg und damit als ‚Retter des Käfer‘. Inzwischen ist jedoch klar, dass er nur zu kleinen Teilen dazu beigetragen hat und der weitaus größere Teil durch den stilleren Dr. Münch geleistet wurde. Diesen ernannte die britische Armee im Februar 1946 daher auch zum ersten Generaldirektor von Volkswagen und zugleich zum Haupttreuhänder. 1948 gab er diese Posten an den von Opel kommenden Automanager Heinrich Nordhoff ab. Unter seiner Leitung wuchs das Unternehmen schnell. Zudem beendete er die nötigen Wiederaufbaumaßnahmen am Werk in Wolfsburg.

Vom Rohstoffmangel zum Welterfolg

Durch den allgemeinen Mangel an Rohstoffen dauerte es bis zum 27. Dezember 1945, ehe erste Exemplare des zivilen Volkswagen als Typ 1 (geschlossene zweitürige Limousine) vom Band rollen konnten. Bis Jahresende standen 55 Stück auf ihren Rädern. Bereits im März 1946 entstand der 1.000ste Käfer, im Oktober des gleichen Jahres sogar schon der 10.000ste. Zu dieser Zeit gestatteten die Briten endlich Händler-Organisationen für den Volkswagen in Deutschland sowie den Export ins Ausland, wodurch der Weg zum Welterfolg endgültig offen war. 1949 folgte die Einführung des von Karmann entwickelten Cabriolets, dem von Hebmüller eine zweisitzige Version zur Seite gestellt wurde. Beide tauchten in den offiziellen Preislisten auf und waren normal beim VW-Händler bestellbar. Bis 2003 entstanden insgesamt 21.529.464 Exemplare des liebevoll ‚Käfer‘ getauften Typ 1.

Bilder: Volkswagen AG