70 Jahre Bausatzproduktion bei Volkswagen

Ist Ihnen CKD bekannt? Diese Abkürzung feiert bei Volkswagen 70-jähriges Jubiläum. Dahinter verbirgt sich auch bei anderen Herstellern die sogenannte ‚Completely Knocked Down‘-Produktion (auf deutsch: komplett zerlegt). Hierfür entstehen am normalen Fließband Neuwagen, die anschließend in diverse Baugruppen zerlegt werden. Dies geschieht vor allem für Länder mit hohen Einfuhrzöllen auf Autos. Zumeist sind zeitgleich die Zölle auf Einzelteile und Komponenten deutlich niedriger, weshalb sich vor Ort eine kleine Produktionshalle lohnt, wo aus den Komponenten wieder komplette Fahrzeuge entstehen. Ähnlich verhält es sich in Ländern mit relativ geringem Absatz, in denen sich eine vollwertige Fertigung nicht lohnen würde.

1,7 Millionen Kubikmeter jährlich

Volkswagen begann 1950 mit dem CKD-Verfahren damit, neue Märkte für den Typ 1, besser als ‚Käfer‘ bekannt, zu erschließen. Heutzutage stellt man mit dem gleichen Verfahren die weltweite Versorgung der diversen Produktionsstandorte sicher. Bis heute exportierte der Wolfsburger Hersteller rund 200 Millionen Fahrzeuge als CKD-Bausätze. Die entsprechenden Bestellungen kommen in der Zentrale in Wolfsburg an. Das dortige Versorgungsmanagement kümmert sich anschließend bei den europäischen VW-Werken und den Lieferanten um die entsprechenden Fahrzeugteile, die in acht Verteilzentren gebündelt und in Überseecontainer verpackt werden. Per Schiff, Bahn oder Flugzeug gelangen diese dann in die Bestimmungsländer zu den jeweiligen Montagehallen vor Ort. Die acht Verteilerpunkte liegen in Wolfsburg, Salzgitter, Kassel, Duisburg, Emden, Fallersleben, Wilhelmshaven und Martorell (Spanien). Zusammen kommen sie auf 1,7 Millionen Kubikmeter Ware und rund 25.000 Container im Jahr.

Vom Bestelleingang bis zum Eintreffen der Teile im jeweiligen Land vergehen etwa acht Wochen. Weltweit entstehen rund 90 verschiedene Modelle in den 27 Übersee-Produktionsorten des VW-Konzerns in zehn Ländern aus europäischen CKD-Bausätzen. Beispielsweise entstehen Polo Rechtslenker aus CKD-Komponenten heute ausschließlich in Südafrika. Den Tiguan lässt VW auf diese Weise auch in Mexiko und Russland fertigen. Daneben gibt es entsprechende Fertigungsstandorte in Indien, Indonesien, Malaysia, Argentinien, Brasilien, China und den USA.

Von der Holzkiste zur Robotertechnik

Anfänglich produzierte man in Irland ab 1950 erste Typ 1 ‚Käfer‘. Kurz darauf folgten Südafrika, Argentinien, Brasilien und Mexiko. Die Teile verpackten die Mitarbeiter damals noch von Hand in eigens hergestellte Holzkisten aus der werkseigenen Schreinerei. Inzwischen hat auch hier moderne Technik Einzug gehalten. Roboter mit speziellen Handaufsätzen greifen die Bauteile und entlasten damit die Mitarbeiter. Zudem sind die Bots in der Lage, durch künstliche Intelligenz E-Mails der Lieferanten auszuwerten. Melden diese zum Beispiel, dass eine Charge von Komponenten in mehreren Teillieferungen ankommen wird, hinterlegen die Bots dies automatisch im SAP-System der Produktionssteuerung. Damit wandelte sich auch der Job der Mitarbeiter vor Ort vom „Kistenmacher“ zum „Datenlogistiker“.

Bilder: Volkswagen