55 Jahre Toyota 2000GT

Vor exakt 55 Jahren debütierte der Toyota 2000GT auf der Tokyo Motor Show. Dieser erste Supersportwagen aus Japan ist ein faszinierendes Kapitel der Automobilgeschichte. Zu den Geburtshelfern gehörten Yamaha und einer der härtesten Konkurrenten: Nissan. Wie es dazu kam? Folgen Sie uns auf einen kurzen Ausflug in die Geschichte dieses Fahrzeugs.

Geschichte des 2000GT

Alles begann damit, dass Toyota Anfang der 1960er Jahre beschloss, auf Basis des Kleinwagens Publica den ersten Sportwagen der Markengeschichte zu bauen. So entstand die Konzeptstudie Publica Sport, die 1962 auf der Tokyo Motor Show stand und anschließend zum Sports 800 weiterentwickelt wurde. Dieser ging 1965 in Serie und rollte 3.131-mal vom Band. Noch bevor jedoch das erste Exemplar bei den japanischen Händlern in den Showroom rollte, gab es im Hintergrund bereits Planungen für einen größeren und leistungsstärkeren Sportwagen. Hierfür suchte man nach einem Entwicklungspartner und wurde schließlich bei Yamaha fündig.

Yamaha hatte kurz zuvor bereits im Auftrag von Nissan an einem Sportwagenprojekt gearbeitet. Diese Kooperation brach jedoch auseinander, bevor der Prototyp A550X präsentiert werden konnte. Allerdings konnte Yamaha dieses Fahrzeug nun Toyota zeigen, wo man die verborgenen Talente des Wagens schnell erkannte. Die Karosserie ließ man aber durch den hauseigenen Designer Satoru Nozaki umgestalten. Dieser integrierte dabei diverse Details von anderen Sportwagen wie dem Jaguar E-Type oder einigen Ferrari-Modellen. Neu waren hingegen die Klappscheinwerfer oberhalb der hinter Klarglasabdeckungen untegebrachten Leuchten in der Frontpartie. Hinten sorgten vier runde Rückleuchten in verchromten Umrandungen für einen schönen Abschluss.

Twiggy präsentierte goldenen 2000GT

Auf der Tokyo Motor Show 1965 debütierte der seriennahe Prototyp 280 A1, der sich nur in Details wie der Form der Klappscheinwerferabdeckungen oder der Armaturenbrettgestaltung vom späteren Seriensportwagen unterschied. Diesen präsentierte an gleicher Stelle zwei Jahre später das damalige Topmodel Twiggy. Interessanterweise trug dieser Wagen goldenen Lack, den es sonst nur noch auf einem zweiten Exemplar für das Yamaha-Werksmuseum gab. Für die Kundschaft standen die Farben ‚Pegasus White‘, ‚Solar Red‘, ‚Thunder Silver‘, ‚Bellatrix Yellow‘, ‚Twilight Turquoise‘ und ‚Atlantis Green‘ zur Auswahl, wobei es auch einige Exemplare in schwarz gibt.

Unter Projektleiter Shoichi Saito entstand bei Toyota in weniger als einem Jahr ein hervorragendes Fahrgestell mit Zentralrohrrahmen und Sportfahrwerk. Aus dem damaligen Topmodell Crown entlieh man den zwei Liter großen Sechszylindermotor, der jedoch umfangreiche Modifikationen erhielt. Von Yamaha stammte ein komplett neu entwickelter Zylinderkopf mit zwei obenliegenden Nockenwellen und Einbindung von drei Solex-Doppelvergasern. So standen 112 kW/152 PS und ein maximales Drehmoment in Höhe von 175 Newtonmetern bereit, die über ein manuelles Fünfgang-Getriebe an die Hinterachse gelangen. Als Höchstgeschwindigkeit standen 217 km/h im Datenblatt. Gegen Ende der Produktionszeit entstanden neun Exemplare des Toyota 2000GT mit einem auf 2,3 Liter Hubraum vergrößerten Reihensechszylindermotor. Dieser erhielt jedoch nur eine obenliegende Nockenwelle und kam daher auf lediglich 103 kW/140 PS während das Drehmoment auf 201 Newtonmeter stieg.

Insgesamt gab es drei Varianten des Toyota 2000GT, die allesamt im Yamaha-Werk in Iwata gebaut wurden. Auf 233 Exemplare des intern MF10 genannten Urmodells folgte im August 1969 ein leichtes Facelift mit kleineren Leuchten hinter Klarglas und neu geformten Blinkern unterhalb der Stoßstangenecken. Diese Fahrzeuge hießen intern MF10L und liefen 109-mal vom Band, gefolgt von den erwähnten neun Exemplaren mit größerem Motor als MF12L. Allen gemeinsam war die Coupé-Karosserie. Allerdings verwandelte Toyota in Rekordzeit zwei Wagen in Cabriolets. Der Grund hierfür waren 1966 die Dreharbeiten zum James-Bond-Film ‚Man lebt nur zweimal‘, bei denen direkt auffiel, dass der Hauptdarsteller Sean Connery aufgrund seiner Größe nicht ins Cockpit passte. Pläne für eine Targa-Version analog zum 800 Sports gingen nie in Serie, wurden jedoch von einem späteren Fahrzeugbesitzer in Eigenregie umgesetzt. Die überwiegende Mehrheit der 351 gebauten Toyota 2000GT war für den heimischen Markt in Japan vorgesehen. Allerdings gab es auch rund 60 Exemplare für den US-Markt und einige weitere Autos, die beispielsweise nach Großbritannien oder in die Schweiz gingen. Zwei 2000GT gingen sogar nach Mosambik.

Erwähnenswert sind auf jeden Fall die Rekorde, die Toyota mit dem 2000GT einfahren konnte. 1966 schickte man ein Fahrzeug auf die Teststrecke von Yatabe in der japanischen Präfektur Saitama für einen Hochgeschwindigkeitstest über 72 Stunden ohne Pause. Dabei stellte Toyota drei FIA-Weltrekorde (WR) und 13 internationale Geschwindigkeitsrekorde (IR) auf, die wir im folgenden auflisten:

  • 72 Stunden Fahrt mit einem Durchschnitt von 206,02 km/h (WR/IR)
  • 15.000 Kilometer mit einem Durchschnitt von 206,04 km/h (WR/IR)
  • 10.000 Meilen mit einem Durchschnitt von 206,18 km/h (WR/IR)
  • 6 Stunden Fahrt mit einem Durchschnitt von 210,42 km/h (IR)
  • 1.000 Meilen mit einem Durchschnitt von 209,65 km/h (IR)
  • 2.000 Kilometer mit einem Durchschnitt von 209,45 km/h (IR)
  • 12 Stunden Fahrt mit einem Durchschnitt von 208,79 km/h (IR)
  • 2.000 Meilen mit einem Durchschnitt von 207,48 km/h (IR)
  • 24 Stunden Fahrt mit einem Durchschnitt von 206,33 km/h (IR)
  • 5.000 Kilometer mit einem Durchschnitt von 206,29 km/h (IR)
  • 5.000 Meilen mit einem Durchschnitt von 204,36 km/h (IR)
  • 48 Stunden Fahrt mit einem Durchschnitt von 203,80 km/h (IR)
  • 10.000 Kilometer mit einem Durchschnitt von 203,97 km/h (IR)

Porsche reagierte umgehend und holte die meisten dieser Rekorde mit einem 911 R zurück nach Europa. Toyota nutzte den 2000GT auch beim Grand Prix Japan für Sportwagen 1966 und belegte Rang 3. Kurz darauf fuhr man beim ersten 1.000-Kilometer-Rennen in Japan einen Doppelsieg ein und gewann 1967 auch das 24-Stunden-Rennen in Fuji. 1968 setzte Carroll Shelby erfolgreich zwei speziell vorbereitete 2000GT in der C-Kategorie des SCCA (Sports Car Club of America) ein.

Bilder: Toyota