55 Jahre Citroën N350

Im Oktober 1965 überraschte Citroën die Fachwelt mit der Präsentation des N350. Hierzu hatte man einige Journalisten in die Pariser Jardins du Trocadéro eingeladen. Nur wenige hatten den Einstieg ins Lastwagensegment vorhergesehen. Noch außergewöhnlicher war hingegen die Karosseriegestaltung. Diese kam von Flaminio Bertoni, der bereits seit 1932 bei Citroën arbeitete. Nach dem Traction Avant, dem 2CV, den Limousinen ID und DS sowie dem Ami 6 war der N350 sein finales Werk. Noch vor der Weltpremiere verstarb er am 7. Februar 1964 an den Folgen eines Gehirnschlags.

Zusatzfenster über den Scheinwerfern

Designs von Bertoni zeichneten sich immer durch Besonderheiten aus. Dies lässt sich nicht nur an seinen PKW-Modellen sehen, sondern auch beim N350. Er war nicht nur gestalterisch tätig, sondern griff auch aktiv in die technische Entwicklung ein. So erhielt der Lastwagen neben einer Servolenkung auch das Hochdruckbremssystem aus der DS. Fahrerhäuser von LKWs mit der inzwischen typischen Triebwerksanordnung unter den Sitzen – sogenannte Frontlenker – haben eine gewohnte Form, die sich seit Jahrzehnten kaum verändert hat. Bertoni sorgte für neues Design und integrierte oberhalb der Scheinwerfer zwei zusätzliche Scheiben. Diese sollten einer besseren Rundumsicht dienen und Fahrmanöver in unwegsamen Gebieten erleichtern.

Aufgrund der außergewöhnlich gestalteten Frontpartie erhielt der Lastwagen in Frankreich den Spitznamen ‚Belphégor‘. Dieser leitete sich von der damals populären Fernsehserie ‚Belphégor oder das Geheimnis des Louvre‘ ab. Hauptsächlich interessierten sich bald Feuerwehren für den Citroën N350. Diese wählten aus dem relativ breiten Motorenprogramm zumeist ein 82 PS starkes Triebwerk mit 2,2 Litern Hubraum, das eine Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h erlaubte. Dazu kamen Wassertanks mit bis zu 3.500 Liter Fassungsvermögen, diverse Strahlrohre und eine ausziehbare Leiter auf dem Dach. Als Gesamtlasten standen Versionen zwischen 3,5 und 8 Tonnen zur Auswahl, wodurch sich rechnerisch mehr als 140 Kombinationsmöglichkeiten ab Werk ergaben.

Nur noch ein Exemplar in Deutschland

Nicht nur die Feuerwehren schätzten schnell die hohe Robustheit und Zuverlässigkeit des N350. Es gab auch Abschleppwagen und klassische Transportfahrzeuge. Fahrer und Beifahrer genossen Vorzüge wie eine gut funktionierende Heizung, drei Sonnenblenden und höhenverstellbare Sitze. Bis 1972 rollten 10.685 Exemplare vom Band, von denen einige selbst heute noch im Alltagseinsatz sind. In Deutschland ist jedoch nur noch ein einzelner zugelassener N350 mit Abschleppwagenaufbau bekannt.

Bilder: Citroën