50 Jahre Opel Elektro GT

Lautlose Elektroantriebe sind aktuell in aller Munde. Vielerorts erhält man dabei den Eindruck, diese Technologie sei ganz neu und deshalb besonders gut. Oftmals wird dabei jedoch vergessen, dass es Elektroautos bereits in den 1880er Jahren gab und diese sogar zeitweise den benzingetriebenen Wagen den Rang abliefen. Allerdings sorgten Reichweitenprobleme und die schlechte Verfügbarkeit von Aufladepunkten schließlich für das Straßenbild zugunsten der Verbrennertechnologie, wie wir es kennen. Trotzdem forschten verschiedene Autohersteller und Zulieferer weiterhin am Elektroantrieb. So kam es, dass ab 1971 batterie-elektrische Lunar Rover von der NASA mit auf den Mond genommen wurden. Unter den eben genannten Firmen befand sich auch Opel, wo man jedoch eher erdgebundene Versuche unternahm.

Vom Raketen- zum Elektroauto

Georg von Opel stand leitend hinter einem besonderen Projekt. Bereits sein Cousin Fritz von Opel, genannt ‚Raketen-Fritz‘, hatte mit seinen RAK-Modellen für Furore gesorgt. Nun sollte es ebenfalls um Rekorde gehen, aber deutlich leiser als vor dem Zweiten Weltkrieg. Als Basisfahrzeug wählte man intern einen Opel GT aus, da dessen Karosserieform beste aerodynamische Werte bot. Durch den konsequenten Verzicht auf Lufteinlässe, Außenspiegel, Stoßstangen, Rückleuchten und sogar Türgriffe verbesserte man den Luftwiderstand deutlich. Hinzu kamen nach ersten Versuchen neu geformte Radabdeckungen, ein Frontspoiler, eine breite Heckspoilerlippe und eine flache Motorhaube ohne Vergaserbuckel. Innen räumte man den GT komplett leer und verbaute nur das Armaturenbrett und einen Sportsitz für den Fahrer. Das restliche Interieur nahmen Batterien und Steuermechanismen für den Elektroantrieb in Beschlag.

Bosch-Elektromotoren, Akkus von Varta

Von Bosch stammten die beiden Gleichstrom-Elektromotoren, die mechanisch miteinander gekoppelt waren. Sie übertrugen ihre Leistung in Höhe von 88 kW/120 PS (kurzzeitig steigerbar auf 118 kW/160 PS) über die serienmäßige Kardanwelle auf die Hinterachse. Diese stammte aus dem Manta A und erlaubte dank einer Übersetzung von 3,18 eine theoretische Höchstgeschwindigkeit von 240 km/h. Auch die komplette Steuerelektronik stammte von Bosch und verschwand im Kofferraum. Dieser war beim normalen GT nicht zu öffnen. Um eine bessere Zugänglichkeit während der geplanten Rekordversuche zu gewährleisten, griff man bei diesem Unikat jedoch zur Blechschere. Unterhalb der Heckscheibe entstand so eine abnehmbare Abdeckung. Die Nickel-Cadmium-Akkus lieferte hingegen Varta aus dem Flugzeugbedarf zu. Opel positionierte sie gestapelt auf der Beifahrerseite und anstelle der Rückbank. Zudem installierte man ein elektrisches Kühlgebläse für die Batterien und eine Vakuumpumpe für den Bremskraftverstärker.

Sechs Weltrekorde in Hockenheim

Für Kurzstrecken- und Sprintversuche kam ein kleines Akkupaket mit 280 Zellen und einem Gewicht in Höhe von 590 Kilogramm ins Auto. Dadurch erreichte der Elektro GT bereits das Leergewicht des damals größten Opels, dem Diplomat B. Es gab zusätzlich jedoch auch ein Langstrecken-Akkupaket mit 360 Zellen und 740 Kilogramm Eigengewicht. Dies katapultierte das Sportcoupé in Gewichtsregionen der damaligen Nutzfahrzeugklasse. Um diese Massen tragen zu können, verbaute man härtere Federn und gemeinsam mit Continental entwickelte Reifen mit 4,5 bar Druck. Am 17. und 18. Mai 1971 setzte sich Georg von Opel auf dem Hockenheimring hinter das Steuer des Opel Elektro GT. Dort errang er sechs Weltrekorde für Elektroautos:

  • ein Kilometer in 19,061 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit 188,86 km/h
  • ein Kilometer mit stehendem Start in 31,066 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit 115,88 km/h
  • halber Kilometer mit stehendem Start in 19,358 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit 92,98 km/h
  • Viertelmeile mit stehendem Start in 16,869 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit 85,87 km/h
  • 10 Kilometer mit stehendem Start in 4:43,69 Minuten, Höchstgeschwindigkeit 126,89 km/h
  • 10 Meilen mit stehendem Start in 7:35,63 Minuten, Höchstgeschwindigkeit 127,15 km/h

Zusätzlich versuchte man auch einen Rekord für 100 gefahrene Kilometer aufzustellen und strebte dabei eine Durchschnittsgeschwindigkeit von mehr als 100 km/h an. Allerdings reichten die Kapazitäten der damaligen Akkus hierfür noch nicht aus. Nach 44 zurückgelegten Kilometern rollte der Elektro GT antriebslos aus. Zu weiteren öffentlichen Versuchsfahrten kam es nicht. Vermutlich war das Fahrverhalten auf den Hochdruckreifen mit dem durch die gestapelten Akkus sehr hohen Schwerpunkt nicht besonders gut. Nach einigen Jahren, in denen es still um den Elektro GT wurde, zeigt Opel das Einzelstück inzwischen gern wieder auf Automessen und Veranstaltungen als Urahn der heutigen Elektromodelle.

Bilder: Opel