40 Jahre DeLorean DMC-12

Über wenige Autos der 1980er Jahre gibt es mehr Geschichten. Wieviele davon stimmen und wieviele nicht, ist schwer zu sagen. Auf jeden Fall beschreibt dieses Sportcoupé in gewisser Weise die öffentliche Hinrichtung seines Erbauers, dessen Name bis heute nicht mehr ohne Vorbehalte genannt wird. Bestens bekannt ist der Wagen allerdings durch drei Teile des Films ‚Zurück in die Zukunft‘. Natürlich meinen wir den DeLorean DMC-12. An dieser Stelle versuchen wir uns an einer neutralen Betrachtung. Immerhin feiert dieses Auto 40-jähriges Jubiläum und zu runden Geburtstagen schaut man auf Positives zurück. Alles steht und fällt in dieser Story mit der Person John Zachary DeLorean.

Hintergründe von John DeLorean

Als ältester von vier Söhnen eines Rumänen und einer österreichisch-ungarischen Mutter erblickte er am 6. Januar 1925 in Detroit das Licht der Welt. Trotz schwieriger Familienverhältnisse und geringen finanziellen Möglichkeiten absolvierte er ein Studium zum Bachelor of Science in Industrial Engineering und später zum Master in Fahrzeugbau. Über Abendkurse setzte er noch den Master of Business Administration (MBA) oben drauf. Nach Stationen bei Chrysler und Packard ging er 1956 zu General Motors. Dort wurde er aufgrund seines Talentes bei Pontiac mehrfach befördert. 1961 war er bereits Chefingenieur, 1965 schließlich Leiter von Pontiac. Vier Jahre später übernahm er den Vorstandsposten bei Chevrolet. Weitere zwei Jahre darauf rückte er in den GM-Vorstand auf und wurde Vizepräsident der gesamten PKW- und LKW-Produktion in Nordamerika. Im April 1973 kündigte er bei GM und engagierte sich stattdessen in der wohltätigen National Alliance of Businessmen.

Anfänge der DeLorean Motor Company

Nachdem John zwei Jahre wohltätige Arbeit betrieben hatte, begründete er seine eigene Automarke, die DeLorean Motor Company (DMC). Dabei verfolgte er das Ziel, ein möglichst ökologisch korrektes, ethisch vertretbares und sicheres Fahrzeug zu entwickeln. Dies dauerte länger, als er sich das ursprünglich vorgestellt hatte. Im Laufe der Arbeiten entstand auch die Idee, die Produktion in eine strukturschwache Region zu verlegen, um Arbeitsplätze zu schaffen. Gleichzeitig sollten die Fertigungskosten niedriger ausfallen als in Nordamerika. Die Wahl fiel auf Nordirland, wo man mit der Regierung zusammenarbeitete und Dunmurry als Standort wählte. Die britische Labour-Regierung zahlte als Unterstützung die gewaltige Summe von mehr als 100 Millionen Pfund für den Bau und die Einrichtung des Werkes. Hinzu kamen steuerliche Vergünstigungen. Dunmurry lag mitten im Kerngebiet der IRA und wies eine hohe Arbeitslosigkeit auf. 2.000 neue Arbeitsplätze waren also gern gesehen.

Entwicklung des DMC-12

Einen Sportwagen als besonders ökologisch und ethisch vertretbar anzusehen, fällt auf den ersten Blick schwer. DeLorean und sein leitender Ingenieur Bill Collins begannen mit einem Fahrzeugkonzept, das die amerikanische Allstar-Versicherung präsentiert und anschließend an DMC verkauft hatte. Der erste daraus entwickelte Prototyp trug das Kürzel DSV (DeLorean Safety Vehicle). Optisch konnte er nicht überzeugen. Daher entschied man sich dazu, die Formgebung auszulagern. Mit Giorgetto Giugiaro und ItalDesign fand man den gewünschten Partner. Dort, in Italien, griff man auf Baupläne zurück, die Giugiaro ursprünglich Porsche für den 928 vorgelegt hatte. Insgesamt entspricht die glatte Linienführung weiteren ItalDesign-Entwürfen der Ära, wie dem Audi Coupé, dem Maserati Quattroporte III oder dem Maserati Merak. Nachdem die Formgebung im Herbst 1975 feststand, dauerte es bis Anfang 1977, ehe bei Kar Kraft in den USA ein erster fahrbereiter Prototyp fertig gestellt wurde. In diesem testete man verschiedene Motorisierungen, unter anderem von Ford und Citroën.

Festlegung der technischen Daten

Sowohl der drei Liter große Ford-V6, als auch der zwei Liter große Vierzylindermotor aus dem Citroën CX fielen bei DeLorean wegen zu geringer Leistung durch. Mit Citroën verhandelte er anfänglich noch über eine Turboaufladung, die jedoch seitens der Franzosen mit Hinblick auf die Garantie abgelehnt wurde. So erhielt der zweite DMC-Prototyp, der gegen Ende 1977 bei Creative Industries entstand, den damals neuen PRV-V6-Motor. Dieser 2,7 Liter große V6, der von Peugeot, Renault und Volvo gemeinsam entwickelt worden war, trieb ab den späten 1970er Jahren diverse Fahrzeuge an. Beim DeLorean führten Gewicht und Größe dieses Triebwerks zu einer Umgestaltung der Heckpartie. Aus dem ursprünglichen Mittelmotorkonzept wurde durch die nach hinten verlagerten Einbaupunkte ein Heckmotorauto. Zugleich bestand Giorgetto Giugiaro aufgrund der langen Entwicklungszeit auf einer Anpassung seines Designs an den veränderten Zeitgeist. Aus scharfen Kanten wurden Rundungen. In einigen Details erhielte die Serienversion Aspekte vom 1979 vorgestellten Konzeptfahrzeug Asso di Fiori.

Serienentwicklung bei Lotus

Ohne mit seinem Chefentwickler Collins Rücksprache zu halten, ging DeLorean auf Porsche zu, um das Fahrwerk und die finale Serienreife seines Sportwagens entwickeln zu lassen. Im Hintergrund scharrten einige Investoren und die britische Regierung bereits mit den Hufen, da das Werk in Nordirland zwar bereits existierte, das Auto aber immer noch nicht produziert wurde. Porsche lehnte den Auftrag ab, da man mit Blick auf den bisherigen Entwicklungsstand mindestens fünf Jahre bis zur Serienfertigung veranschlagte, DeLorean jedoch zu maximal zwei bereit war. Schließlich kam er mit Colin Chapman bei Lotus überein, die Entwicklungsarbeiten dort fortsetzen zu lassen. Zwischenzeitlich arbeiteten bis zu 200 Lotus-Mitarbeiter an diesem Projekt und entwickelten ein komplett neues Fahrgestell mit Komponenten des Lotus Esprit. Bill Collins kündigte daraufhin endgültig. Darüber blieb es bei der Giugiaro-Form der edelstahlbeplankten Kunststoffkarosserie mit Flügeltüren.

Viele Vorbestellungen, schwache Nachfrage

Mit 1,3 Tonnen Leergewicht lag das Serienauto deutlich über vergleichbaren Konkurrenzprodukten. Gleichzeitig standen mit Katalysator jedoch nur 97 kW/132 PS bereit, um die Fuhre in Schwung zu versetzen. Entsprechend enttäuscht fielen erste Testberichte ab 1981 aus. Den Motorjournalisten hatte man im Vorfeld einen veritablen Sportwagen angekündigt. Herausgekommen war jedoch ein allenfalls in Kurven sportliches Coupé mit relativ hohem Preis (1982 rund 75.000 DM). Trotzdem lagen bereits über 20.000 Vorbestellungen für den DMC-12 vor, bevor im März 1981 die Serienfertigung startete. Neben den Fahrleistungen führten auch nicht entdeckte Mängel in der Konstruktion und die Verarbeitungsqualität zu stetig nachlassender Nachfrage. Die nordirischen Arbeiter im neuen Werk mussten erst auf die Komplexität des Autobaus geschult werden. Zugleich befand sich der amerikanische Automobilmarkt Anfang der 1980er Jahre in einer Krise. Dies führte dazu, dass die angestrebten Produktionskapazitäten nicht ausgeschöpft werden konnten.

Niedergang der Firma

Für die hohen Kreditbeträge verlangten die Schuldner, allen voran der britische Staat, das pünktliche Bezahlen der Zinsen. Um die neu gegründete Konzernmutter DMH (DeLorean Motor Holding) an die Börse bringen zu können und dadurch neues Geld ins Unternehmen zu holen, ließ John DeLorean Mitte 1981 die Produktionszahl verdoppeln. Dadurch standen bald einige hundert DMC-12 in Belfast auf Halde, da im gesamten Händlernetz nicht genug Nachfrage vorhanden war. Auf der Suche nach neuem Kapital ging DeLorean schließlich einem DEA-Fahnder in die Falle. Angeblich hatte er versucht, Kokain zu veräußern, was vor Gericht jedoch nicht nachgewiesen werden konnte. In Großbritannien lag zudem eine Anklage wegen Veruntreuung von Investorengeldern gegen ihn vor. Sein Unternehmen DMC musste daher 1982 Insolvenz anmelden und wurde schließlich komplett liquidiert. Bis zu diesem Zeitpunkt waren rund 9.000 DeLorean DMC-12 vom Band gelaufen. Weitere Fahrzeuge entstanden seither aus verbliebenen Ersatzteilen und Rohkarosserien.

DMC-12 bei RM Sotheby’s

Kurz nach der medienwirksamen Kokain-Festnahme von John DeLorean stieg plötzlich die Nachfrage nach dem DMC-12 an. In den USA stieg der Neupreis zeitweise auf über 50.000 Dollar. Einige Fahrzeuge erhielten für den Abverkauf farbige Lackierungen. Eigentlich hatte DeLorean den Wagen nur mit unlackierter Edelstahlkarosserie angeboten. Besondere Bekanntheit bekam der DMC-12 schließlich als Zeitmaschine in der Filmtrilogie ‚Zurück in die Zukunft‘ (1985, 1989 und 1990). Heutzutage erhalten Fans weltweit ihre Fahrzeuge mit viel Liebe. Bei der Online-Auktion Open Roads vom 19. bis 28. Februar bietet RM Sotheby’s einen DMC-12 von 1982 an. 2018 sorgten die Markenexperten von DMC Florida für eine umfangreiche Wartung aller Interieurelemente. Zugleich kamen eine neue Bremsanlage, eine überarbeitete Lenkstange sowie neue Wasser- und Benzinpumpen, neue Kühler und eine neue Abgasanlage ins und ans Auto.

Bilder: De Lorean, RM Sotheby’s