30 Jahre Peugeot 605

Peugeot als Marke besteht bereits seit 1810. 81 Jahre nach der Firmengründung ging man von der Fertigung von Gewürzmühlen und Fahrrädern zu Automobilen über. Damit sind die Franzosen der älteste bis heute existente Hersteller der Welt, da die Marke Benz bekanntlich mit Daimler fusionierte und dadurch die neue Marke Mercedes-Benz ins Leben gerufen wurde. Im Laufe der Zeit gab es diverse legendäre Modelle in vielen Kategorien. Selbst die Oberklasse besetzte man. 1989 debütierte als gemeinsamer Nachfolger für die Baureihen 505 und 604 der nagelneue 605. Da zum PSA Konzern auch Citroën gehörte und man mit Gleichteilepolitik Geld sparen konnte, verwendete man für den 605 die gleiche Plattform, die auch unter dem ebenfalls vor 30 Jahren präsentierten XM steckte. Somit verabschiedete sich Peugeot vom Hinterradantrieb, der im 604 noch Verwendung fand. Das hydropneumatische Hydractive-Fahrwerk blieb jedoch ein exklusives Ausstattungsdetail des Citroën XM, während der Peugeot konventionelle Stoßdämpfer und Federn nutzte.

Im Gegensatz zum Konzernbruder, den es mit Schrägheck oder als Kombi gab, konnte der Peugeot 605 ausschließlich mit Stufenheck bestellt werden. Interessanterweise arbeitete bei der Karosseriegestaltung auch ein italienisches Designhaus mit. Während das beim XM Bertone war, sorgte beim 605 Pininfarina für ausgewogene Linien. Einige Details erinnerten dabei an ältere Entwürfe wie die Konzeptstudie Ferrari Pinin oder den Alfa Romeo 164. Obwohl man sich an Kunden der Oberen Mittelklasse wendete, bot man einen relativ kleinen Einstiegsmotor mit vier Zylindern und zwei Litern Hubraum an. Diesen gab es mit 79 kW/107 PS und mit 89 kW/121 PS. Dazu kam direkt zur Markteinführung ein 2,1 Liter großer Turbodieselmotor mit 80 kW/109 PS. Drei Monate später ergänzte Peugeot das Motorenangebot um einen Saugdiesel mit 60 kW/83 PS. Zudem erschienen noch im Debütjahr 1989 zwei V6-Topmotorisierungen mit drei Litern Hubraum, einmal mit 12 Ventilen und 123 kW/167 PS sowie einmal mit 24 Ventilen und 147 kW/200 PS. Hierbei handelte es sich um den sogenannten Europa-PRV-V6, den Peugeot gemeinsam mit Renault und Volvo entwickelt hatte. 1991 erschien zusätzlich ein zwei Liter großer Turbobenziner mit 104 kW/141 PS. Mitte 1992 entfiel der bisherige Einstiegsbenziner aus dem Programm.

Durch eine Modellpflege 1994 erhielt der Peugeot 605 serienmäßig Seitenaufprallschutz, Gurtstraffer und Airbags für Fahrer und Beifahrer. Zeitgleich stieg die Leistung des zwei Liter großen Benzinmotors auf 97 kW/132 PS durch die Verdoppelung der Ventile von acht auf 16. Auch der Turbomotor kam in den Genuss einer Leistungssteigerung, die jedoch lediglich sechs Pferdestärken ausmachte. Bei den Dieseltriebwerken ersetzte man den bisherigen Saugdiesel durch ein neues Turbotriebwerk mit 95 kW/129 PS. Anfang 1995 folgten einige optische Modifikationen wie überarbeitete Schürzen, abgedunkelte Rückleuchten, größere Scheinwerfer und neue Felgendesigns. Als finale Veränderung erhielt der 605 im Jahr 1997 einen neu entwickelten V6-Motor, der weiterhin drei Liter Hubraum aufwies und sowohl die 12- als auch die 24-Ventilvariante ersetzte. Bis zum Produktionsende hatte das Topmodell nun eine Leistung von 140 kW/190 PS.

In der internationalen Automobilpresse überschüttete man den Peugeot 605 anfänglich mit Lob. Dies konnten die Franzosen jedoch nicht in gute Verkaufszahlen ummünzen. Zum einen war hierfür die versammelte Konkurrenz in dieser Fahrzeugkategorie zu stark und zum anderen kämpfte der 605 anfänglich mit starken Qualitätsproblemen. Diese versuchte man durch für die Besitzer kostenfreie Rückrufaktionen in den Griff zu bekommen. Allerdings wirkte es auf die Kunden nicht besonders beruhigend, dass in diesem Zuge beinahe die komplette Abgasanlage, der Kabelbaum im Motorraum und weitere Komponenten ausgetauscht werden mussten. Seinen schlechten Ruf wurde die Limousine anschließend nicht mehr los. Da half es auch nicht, dass der französische Staatspräsident Jacques Chirac mehrere 605 in seinem Fuhrpark hatte und der Peugeot zudem medienwirksam im Kinofilm ‚Ronin‘ des Regisseurs John Frankenheimer auftauchte. Zudem stellte man Pläne für weitere Varianten des 605 ein, bevor sie jemals Serienstand erreichten. Eigentlich hätte eine Kombiversion den vorher angebotenen 505 Break ersetzen sollen. Zudem gab es Überlegungen an einer leicht verlängerten Luxusversion der Limousine mit einem vier Liter großen V8-Triebwerk mit rund 380 PS.

Bilder: Peugeot