175. Geburtstag von Wilhelm Maybach

Heute vor 175 Jahren erblickte Augustus Wilhelm Maybach in Heilbronn das Licht der Welt. Als zweiter Sohn eines Schreiners erlebt er als kleiner Junge den Umzug der Familie nach Stuttgart und dort zwei schwere Schicksalsschläge. Nachdem 1854 seine Mutter früh verstarb, verlor er zwei Jahre später auch seinen Vater. In der Folge lebt Wilhelm Maybach im Reutlinger Bruderhaus. Diese Einrichtung vom evangelischen Theologen Gustav Werner und seiner Frau Adele bot Rettungsanstalten für Waisenkinder sowie eigene Schulen und Fabriken. Den Kindern verhalf man nicht nur zu einer guten Grundbildung, sondern auch zu Berufsausbildungen. Für den kleinen Wilhelm war ursprünglich eine Ausbildung zum Bäcker und Konditor vorgesehen. Allerdings überzeugte er durch sein technisches Verständnis und kleine Eigenkonstruktionen den Pfarrer Gustav Werner, der ihn fortan förderte.

Vom Konditor zum Motorenkonstrukteur

Dadurch erhielt Wilhelm Maybach einen Ausbildungsplatz im Zeichenbüro der Maschinenfabrik des Bruderhauses. Zusätzlich besuchte er Kurse zum Freihandzeichnen und in Physik an der städtischen Fortbildungsschule sowie später in Mathematik an der Oberschule. Dank Stunden in Englisch und Französisch war er für seine späteren Tätigkeiten bestens gerüstet. Pfarrer Werner stellte 1863 den damals 29-jährigen Gottlieb Daimler als Werksstattsinspektor. Auch er entdeckt schnell das Talent von Wilhelm Maybach und freundet sich alsbald mit ihm an. 1869 folgt Maybach Daimler zur Maschinenbau-Gesellschaft Karslruhe und 1872 zur Gasmotoren-Fabrik Deutz AG in Köln. Während Daimler dort den Vorstand der Fabrik übernahm, wurde Maybach 1873 zum Leiter der Konstruktionsabteilung ernannt. Dort arbeitete er daran, den von Firmengründer Nikolaus August Otto entwickelten Viertaktmotor serienreif zu entwickeln und zugleich mit flüssigem Kraftstoff zu betreiben. Bei einer Geschäftsreise in die USA knüpfte Wilhelm Maybach gemeinsam mit seinem Bruder Karl einen Kontakt zum Klavierhersteller Steinway & Sons.

Gemeinsamer Weg mit Gottlieb Daimler

Diesen nutzten er und Daimler ab 1888, um den amerikanischen Markt zu erschließen. Vorher kam es jedoch zum Bruch mit Deutz, da die beiden bereits Visionen zu einem schnell laufenden Gasmotor für den Einsatz in einem Fahrzeug verfolgten. Diesen Schritt wollte die Firma Deutz jedoch nicht mitgehen. Daimler stellte daher Wilhelm Maybach als ersten Angestellten seiner eigenen Firma im April 1882 ein und schied selbst im Sommer des gleichen Jahres bei Deutz aus. In Cannstatt bei Stuttgart entstand in der Folge der erste schnell laufende Benzinmotor. Wegen seiner aufragenden Form erhielt dieser den Spitznamen ‚Standuhr‘. 1885 verbaute Wilhelm Maybach eine Weiterentwicklung dieses Motors in den selbst entwickelten Reitwagen und erfand damit das Motorrad. Ein Jahr später folgte das erste Motorboot und das erste vierrädrige Automobil, die Motorkutsche. Maybach verbaute den Benzinmotor zudem in Schienenfahrzeuge (Motor-Waggonet) und das Motor-Luftschiff von Wölfert.

Von DMG zur eigenen Firma

In den folgenden Jahren trieb Wilhelm Maybach die Entwicklung des Automobils extrem voran. Auf sein Konto gehen Konstruktionen wie ein Viergang-Zahnradwechselgetriebe, ein Zweizylinder-V-Motor oder der Spritzdüsenvergaser. Auf den Röhrchenkühler folgte 1900 der patentierte Bienenwabenkühler. Für Emil Jellinek entwickelte Maybach zudem die ersten Mercedes-Wagen, die als Vorläufer des modernen Automobils gelten. Hieraus entstand schließlich die Simplex-Modellfamilie. Nach dem Tod des Firmengründers Gottlieb Daimler am 6. März 1900 genoss Wilhelm Maybach allerdings nicht mehr das volle Vertrauen der Geschäftsleitung. 1907 führte dies letztlich zu seinem Ausscheiden aus der Daimler-Motoren-Gesellschaft. Zwei Jahre später begründete er gemeinsam mit Graf Zeppelin die Luftfahrzeug-Motorenbau GmbH in Bissingen. Firmenchef wird sein Sohn Karl. Fünf Jahre später verlagerte man den Sitz nach Friedrichshafen am Bodensee, wo nach dem Ersten Weltkrieg erste Maybach-Automobile entstehen. Den Anfang machte der 22/70 PS W3. Weitere große Luxusfahrzeuge folgten.

Die Automarke Maybach

Wilhelm Maybach erhielt zahlreiche Ehrungen. Er wurde Königlicher Baurat (1915), Ehrendoktor der TH Stuttgart (1916) und erhielt die goldene Grashof-Denkmünze (1922). Am 29. Dezember 1929 verstarb er, nachdem er den Weltflug der Zeppelin LZ 127 mit Maybach-Zwölfzylindermotoren miterlebt hatte. Seit 1996 ist er in der ‚Automotive Hall of Fame‘ und seit 2004 in der ‚European Automotive Hall of Fame‘ aufgenommen. Die von seinem Sohn geführte Automarke Maybach lief bis 1941 weiter. Dann verhinderte der Zweite Weltkrieg erfolgreiche Geschäfte. Nach dem Krieg hatten die Menschen wichtigere Bedürfnisse als Luxusfahrzeuge, weshalb die Firma nicht wiedereröffnet wurde. Erst 2002 kehrte der Name Maybach zurück. Die DaimlerChrysler AG kaufte die Namensrechte und brachte die luxuriösen Limousinen 57 und 62 heraus. Das Nachfolgemodell ist eine edle Ausgabe der S-Klasse unter der Marke Mercedes-Maybach. Diese brachte auch des S 650 Cabriolets und des G 650 Landaulets auf den Markt, gefolgt vom aktuellen GLS 600.

Bilder: Daimler AG