115 Jahre Laurin & Klement Voiturette A

Stellen Sie sich einmal vor, sie kaufen für viel Geld ein Fahrrad eines ausländischen Herstellers, stellen dann fest, dass es mangelhaft angefertigt wurde und schreiben dann einen Beschwerdebrief an den Hersteller. Da Sie der Sprache des entsprechenden Landes nicht mächtig sind, formulieren Sie Ihre Worte in der eigenen Sprache und schicken das Ergebnis schließlich ab. Wie würden Sie reagieren, wenn dieser Brief dann nichtmal ansatzweise zur Kenntnis genommen würde? Vaclav Klement passierte genau das im Jahr 1895 mit einem Fahrrad der Dresdener Firma Seidel & Naumann. Seine Reaktion? Er sprach den Gesellschafter der Fahrradreparaturfirma Kraus & Laurin, Vaclav Laurin an und begründete mit ihm zusammen im Dezember des gleichen Jahres die eigene Firma Laurin & Klement. Bis 1898 widmete man sich der Reparatur von Fahrrädern der tschechoslowakischen Marke Slavia, inklusive einiger Modelle mit Hilfsmotoren. Dann begann in einer eigens eingerichteten Manufaktur in der Nähe des Firmensitzes in Mladá Boleslav die eigene Produktion von Motorrädern.

Bereits vier Jahre später lief das 2.000ste Exemplar vom Band. Viele Kunden nutzten ihre L&K Motorräder für motorsportliche Wettbewerbe. Allein im Jahr 1903 errang man in 34 Rennen 32 Siege. Bis 1905 hatte man das Angebot auf 19 verschiedene Modellreihen ausgeweitet. Diese erhielten Triebwerke mit ein, zwei oder sogar vier Zylindern. Nachdem Laurin & Klement bereits auf der Automobilausstellung von Wien 1901 einen ersten PKW-Prototypen mit Zweizylindermotor präsentiert hatte, folgte erst 1905 die Premiere des ersten Serienautos namens Voiturette A. Für dieses Modell hatte man eigens einen wassergekühlten Zweizylindermotor mit 5,1 kW/7 PS aus einem Litern Hubraum entwickelte und sie in ein Dreigang-Getriebe leitete. Dies reichte für eine Höchstgeschwindigkeit von rund 40 km/h aus (manche Quellen geben sogar 56 km/h an). Sehr ungewöhnlich für die damalige Zeit war die Kardanwelle, über die die Motorleistung an die Hinterräder gelangte.

Bis 1907 entstanden mehr als 40 Exemplare des Voiturette A, für den es keinen direkten Nachfolger gab. Stattdessen erweiterte Laurin & Klement auch hier das Programm kontinuierlich und bot bereits ab 1906 parallel die Modelle Typ B, Typ C und Typ E an. Heute existieren nur noch wenige Fahrzeuge vom Urmodell Voiturette A. Škoda hat ein Fahrzeug in der werkseigenen Sammlung und zeigt dieses gern im Škoda Muzeum in Mladá Boleslav. Zudem besitzt die AutoStadt in Wolfsburg eine sehr exakte Nachbildung.

Bilder: Škoda